SPD-Ratsfraktion beantragt : Stärkung der Einkaufsstadt Nordhorn

Sehr geehrter Herr Bürgermeister,

die SPD-Fraktion stellt den folgenden Antrag:

  1. Die Stadt schafft ein Leerstandsmanagement, durch das die Eigentümer leerstehender Flächen angesprochen werden mit dem Ziel, diese Flächen einer auch nur übergangsweise anderen Nutzung durchzuführen, z.B. für kulturelle und gemeinnützige Zwecke oder für Start-Ups, um das Erscheinungsbild des Leerstandes zu unterbinden.
  2. Die Stadt ruft mit allen dazu bereiten Akteuren einen digitalen Aufbruch aus und unterstützt den Einzelhandel, die Gastronomie und andere relevante Akteure .
    • durch Beratung in deren digitalen Auftritten, um z.B. stationäre Angebote mit einem Onlineshop zu verknüpfen, ebenso zu den Fördermöglichkeiten
    • durch Schaffung einer Nordhorn-App, wo Angebote für die Nordhornerinnen und Nordhorner, für externe Konsumenten, Besucher und Touristen zusammen geführt werden, und eine durchgängige digitale Buchbarkeit und Bezahlung der Produkte und Dienstleistungen sicher gestellt ist
  3. Für die vorgenannten Aufgaben des Leerstandmanagement und den digitalen Aufbruch wird in der Stadtverwaltung eine zusätzliche Stelle mindestens befristet auf 2 Jahre Dieses Innenstadtmanagement muss alle Beteiligten in einem interaktiven Prozess einbeziehen.
  4. Für das Leerstandmanagement werden jährlich 30.000 € ab dem Haushaltsjahr 2021 für Sachkosten bereit gestellt, um z.B. temporäre Einrichtungen in einem leer stehenden Ladenlokal zu schaffen bzw. zu unterstützen.
  5. Über die erforderlichen Mittel für den digitalen Aufbruch wird im Rahmen der Haushaltsberatungen beraten.

Begründung:

Der stationäre Einzelhandel in Nordhorn ist seit Jahrzehnten sehr stark. Die Einzelhandelszentralität und der damit einher gehende Kaufkraftzufluss sorgen für mehr Geschäfte, schaffen Arbeitsplätze und ermöglichen den Nordhorner/innen ein größeres Angebot. So haben wir eine attraktive Innenstadt.

Seit Jahren wachsen die Einzelhandelsumsätze im Internet mit dem Ergebnis, dass der stationäre Einzelhandel leidet. Die Corona-bedingten Einschränkungen haben diese Situation verschärft.

Sichtbar wird diese Entwicklung durch zunehmende Leerstände und einige Geschäftsaufgaben. Das gefährdet die Attraktivität unserer Innenstadt. Wer an leeren Schaufenstern vorbei gehen muss, nimmt eine Abwärtsentwicklung wahr und wird kein schönes „Innenstadt-Feeling“ haben. Das zieht einen Einzelhandelsstandort nach unten.

Die Abwanderung von Umsätzen ins Internet wird bleiben. Die Auswirkung kann vielleicht für attraktive mittelgroße Städte gering bleiben, wenn dafür die richtigen Weichen gestellt werden.

Dazu muss die Stadt neben guten Geschäften attraktiv sein in ihrer städtebaulichen Anmutung, in Aktionen/Veranstaltungen/Events und im Standortmarketing. Vielleicht bedeutet das auch, das zukünftig weniger Einzelhandelsflächen gebraucht werden bzw. dass es sich nicht lohnt, an unattraktiven Standorten festzuhalten. So hat sich in den letzten 20 Jahren eine Verschiebung vom Süd-Osten der Innenstadt in den Norden entwickelt, die auch an attraktiven Geschäften z.B. am Schweinemarkt liegt. Das wird die Stadt planerisch begleiten, dabei sicher sehr sensibel vorgehen, aber das wirkt erst mittelfristig. .

Aktuell und zügig müssen die bestehenden und drohenden Leerstände kreativ angegangen werden. Hier muss sich jemand kümmern, und sich mit den Eigentümern der Leerstandsflächen und den hier involvierten Maklern zusammen setzen, um dafür zu sorgen, dass der Leerstand zumindest nicht mehr sichtbar ist. Einige Städte haben hier gute Ergebnisse erzielt, indem solche Flächen für nicht- kommerzielle z.B. kulturelle Angebote zumindest temporär zur Verfügung gestellt werden. Wir denken hier an eine Ausstellung z.B. für Künstler oder der Pläne zum Stadthafen, die Darstellung von Vereinsangeboten oder die Möglichkeit für Start-Ups, sich zu präsentieren (wobei diese weiterhin vom GTZ betreut werden sollen).

Bisher kümmert sich hierum niemand. Der VVV hätte das aufgreifen können, was aber nicht erfolgt ist, wohl auch aus Kapazitätsgründen. Innerhalb der Stadtverwaltung hat die Wirtschaftsförderung auch keine Kapazitäten, zumal sie nun auch noch im Breitbandprojekt tätig ist. Deshalb kann diese Aufgabe nur über eine zusätzliche Stelle angegangen werden, die bei der Stadtverwaltung angesiedelt werden soll, weil dadurch ein besserer Draht zu internen Verwaltungsprozessen insbesondere zum Baumamt gewährleistet ist.

Während andere Orte sich als Smart City darstellen (auch wenn das häufig abgehobene Ankündigungen sind), ist Nordhorn in diesem Feld bisher überhaupt nicht aufgestellt. Dabei geht es um 2 Komplexe:

  1. Der stationäre Einzelhandel kann einen Teil seines Umsatzes sichern, wenn er sich gleichzeitig gut digital aufstellt. Das zeigen auch viele Inhaber geführte, aber innovativ und gut geführte Einzelhändler, wie z.B. aktuell die Fa. Zierleyn. Andere Einzelhandelsunternehmen tun sich schwer mit der Digitalisierung, obwohl die Schaffung eines erstklassigen E-Commerce-Angebotes gar nicht so teuer ist. Zudem werden solche innerbetrieblichen Entwicklungen durch Zuschüsse gefördert. Die hierzu erforderliche Kompetenz in der Beratung zu den Förderprogrammen sind bei der Wirtschaftsförderung und der GTZ GmbH vorhanden. Was fehlt, ist die Ansprache der Kleinunternehmen, auch durch Veranstaltungen oder Betriebsbesuche, um die Vorteile und die Vorgehensweise zur Umsetzung aufzuzeigen. Auch dafür braucht es Personal, das derzeit nicht vorhanden ist – weder hinsichtlich der erforderlichen Kapazität noch hinsichtlich der digitalen Kompetenz. Benötigt wird eine Person mit einer Qualifikation zur digitalen Vermittlung.
  2. Der einzelbetriebliche Auftritt soll ergänzt werden durch einen ganzheitlichen digitalen Auftritt der Stadt.  Das ist nicht nur attraktiv für die jüngere Kundschaft, sondern gerade für die Kunden aus den Niederlanden. Dort ist die Nutzung vieler digitaler Angebote weiter verbreitet als in Deutschland. Ein Beispiel: im öffentlichen Personenverkehr gibt es dort seit 10 Jahren eine landesweite, alle Busse und Bahnen umfassende „OV-Chipkaart“. sie wird im Passieren kontaktlos eingelesen, wenn man den Bus oder den Bahnsteig betritt. Beim Ausstieg, ggf. nach mehreren Umstiegen wird die gefahrene Strecke nach Best-Preis-System abgerechnet, also vom Konto abgebucht. Niederländer sind es gewöhnt, bargeldlos zu zahlen. Das nimmt auch in Deutschland zu, denn in Deutschland haben heute 60 Mio. Menschen ein internetfähiges Smartphone.

Der gemeinsame Auftritt soll also den Einzelhandel, den „Marktplatz Nordhorn“ umfassen, aber auch die Gastronomie und alle touristischen Anbieter, an der Spitze unseren Tierpark. Die App kann bisherige Kundenkarten ersetzen und ist dann in den Folgekosten auch günstiger. Sie kann für Pay-Back- oder Rabattaktionen genutzt werden, auch im Sinne des bisherigen Nordhorn-Passes. Ebenso sollen alle Angebote für uns Nordhorner und Nordhornerinnen z.B. aus dem Kulturbereich dazu gehören, aber auch das Delfinoh. Innovative Vorbilder zeigen weitere Möglichkeiten auf, z.B. Bootsverleih per Smartphone ohne Personaleinsatz oder die digitale Speisekarte. Interessant wird die App, wenn sie  täglich mit Neuigkeiten aufwarten kann, mal die neue Speisekarte eines Gastronomiebetriebes, mal der Hinweis auf eine Veranstaltung in der Alten Weberei, mal ein kleines Gewinnspiel, mal die Vorstellung eines Ladens – ähnlich wie im Influencer Marketing.

Dazu gehört eine über die App ansteuerbare digitale Bezahlfunktion, wo die Abstimmung und Unterstützung der Kreissparkasse und der Volksbank erbeten werden soll.

In einem zweiten Schritt könnte die App auch auf die Kreisebene ausgeweitet werden, z.B. für den Busverkehr der Bentheimer Eisenbahn oder touristische Angebote in der Ober- und Niedergrafschaft.

Hierfür ist ein Projektmanagement erforderlich, über das nach Beschlussfassung weiter zu beraten ist. Hier besteht die besondere Herausforderung, viele Akteure einzubeziehen.

Mit freundlichen Grüßen Harald Krebs; Fraktionsvorsitzender

 

(c) Foto: VVV Nordhorn

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